Siebter Sinn

Meine Wanderschuhe halten in der Regel maximal drei Jahre, dann sind sie durch. Das Paar, das ich hier in Norwegen dabei habe, ist vom letzten Jahr. Seitdem war ich mit ihnen in Norwegen, Bayerischem Wald, in den österreichischen und deutschen Alpen und in Portugal unterwegs, ganz zu schweigen von etlichen Tagestouren in unserer Heimat. Nie hatte ich Probleme mit ihnen. Doch schon wenige Schritte nach dem Start am Nordkap habe ich gemerkt, dass meine mittleren Zehen vorne anstoßen. Da die Zehnägel frisch gestutzt und die Schuhe ordentlich gebunden waren, konnte es daran nicht liegen.

Drum habe ich am nächsten Tag die orthopädischen Einlagen durch die etwas dünneren Originaleinlagen ausgetauscht, die ich vorausschauenderweise eingepackt habe. Das half tatsächlich, aber leider nur einige Stunden. 

Als wir in Olderfjord ankamen, waren zwei Zehnägel blau, an drei weiteren Zehen hatte ich wunde Stellen und zusätzlich noch unter einem Fuß eine recht große wundgelaufene Stelle. 

Also kann es nicht nur an den Einlagen gelegen haben. Die einzige Erklärung dieser Probleme ist die, dass sich meine Füße in dem halben Jahr seit der letzten großen Wanderung, verändert haben müssen. Schon erstaunlich, wie schnell das in meinem Alter passieren kann. Vor der nächsten Wanderung werde ich auf jeden Fall meine Wanderschuhe gründlich testen.

Zu meinen Fußproblemen kommen noch das Wetterproblem und das Zeltproblem. Das Wetter ist nämlich eher so mittelprächtig und auch die Wetterprognose für die nächsten zehn Tage verspricht keine Verbesserung. Und auf dem Wanderweg Richtung Alta müssten wir fünf Tage Zelten, worauf wir auch keine große Lust haben.

Darum werden wir am Montag mit dem Bus nach Alta fahren. Dort haben wir über das Internet bereits einen Mietwagen gebucht und werden nun aus dem Wanderurlaub einen Roadtrip machen. Wir werden die Küste abfahren bis hinunter zu den Lofoten. Eventuell machen wir unterwegs eine Whale-Watch-Tour. Und bestimmt werden wir, sofern das Wetter und die Füße mitspielen, einige kleinere Wanderungen unternehmen.

Gut, dass ich ausnahmsweise meinen Führerschein mitgenommen habe, als ob ich so was geahnt hätte.

Der Moment, wo wir den Abbruch unserer Wanderung beschlossen haben, war auch mal wieder interessant und zeigt, wie lange Petra und ich schon zusammen sind und wie ähnlich wir denken und empfinden. Denn ich hatte den Satz „Sollen wir nicht in Olderfjord den Bus nach Alta nehmen und uns dort einen Wagen leihen“ noch nicht halb ausgesprochen, da hat Petra bereits „Ja“ gesagt.

Tja, so wird der Urlaub um einiges teurer, Norwegen ist ja nicht gerade ein Billigreiseland. Aber nun heißt es „Zahlen und Lächeln“, immerhin sind wir hier und wollen die restliche Zeit genießen.

Ab nun wird der Reiseblog zu unserem restlichen Urlaub eher zu einem Fotoblog werden.

Ach so, was heißt das nun alles für unsere zukünftigen Urlaube? Werden wir weiterhin mehrwöchige Wanderungen unternehmen? Werden wir weiterhin nach Norwegen verreisen? Petra und ich haben über diese Punkte länger und öfter diskutiert. Für uns steht fest, dass wir weiterhin wandern wollen. Auch mit Gepäck und auch über mehrere Tage oder Wochen. Doch wir werden wohl keine Wanderungen mehr machen, wo man auf das Zelt angewiesen ist. Darum kommen auch Hüttenwanderungen in Norwegen in Betracht. Aber genau wissen wir es momentan auch nicht. Vielleicht läuft das alles auf eine Kombination aus Wohnmobiltour und Wanderungen hinaus, so dass man Schlechtwetter besser überbrücken kann.

Mal schauen, was die Zukunft so bringt. 

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