Immer am Zaun entlang

Die Nacht ist windstill und ruhig, nur ab und zu und recht leise hören wir das Klingeln eines Glöckchens. Zunächst denken wir, wir haben uns verhört, doch dann schauen wir raus und entdecken zwei Rentiere, die in unmittelbarer Nähe äsen und bis auf das Bimmeln nicht zu hören sind.

Am nächsten Morgen wachen wir wieder erholt auf, nur sehen wir, mindestens um 20 Jahre gealtert aus. Tränensäcke wo vorher straffe Haut war, daumendick. So geht es uns immer, wenn wir hier zelten. Keine Ahnung, woran das liegt.

Eine weitere Sache, die bei so einer Tour nicht so schön ist, ist der eigene Geruch, den man selbst langsam wahrnimmt. Und dann erst die Socken. Besser ist es, die im Vorzelt nicht am Kopfende aufzubewahren, denn sie verströmen einen Geruch nach Iltis, oder eher nach verwesendem Iltis.

Und bei diesem Wetter trocknen weder Hose, Shirt und Socken über Nacht. Das heisst, wenn man nicht gerade noch saubere und trockene Wechselwäsche hat, dass man klamme bis nasse Klamotten anzieht. Ganz zu schweigen von den Schuhen, die noch nicht einmal einen mü trockener sind, als am Vortag.

So weit zur Campingidylle einer Wandertour.

Nach dem das Zelt abgebaut und alles wieder in den Rucksäcken verstaut ist, geht es weiter rechts am Bach entlang den Berg hinauf. Die Markierungen sind deutlich sichtbar, aber nur selten haben wir einen richtigen Pfad.

Wir sind kaum eine halbe Stunde unterwegs, da wird es auf ein Mal heller und die Sonne kommt zum Vorschein. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet und der Wetterbericht auch nicht. Und es kommt noch besser, denn bald hat die Sonne alle Wolken vertrieben und wir wandern im T-Shirt unter einem fast makellos blauen Himmel. Was für ein wundervoller Wandertag.

Nach einiger Zeit stößt unser Weg auf einen Rentierzaun, dem wir ab hier für den gesamten restlichen Tag folgen. Kilometer um Kilometer erstreckt er sich meist schnurgerade bergauf, bergab, durch Flüsse und Sümpfe. Was muss das für eine Arbeit gewesen sein, einen solchen Zaun zu errichten? Und zu pflegen? Und was hat er gekostet? Alle 5 Meter ein Zaunpfahl, ca. 2 Meter hoch. Dazwischen, bei den neueren Zäunen Maschendraht, bei den alten wurden ca. 8 parallele, straff gespannte Drähte verwendet.

Wird ein Zaun modernisiert oder repariert, so wird das alte Material nicht abtransportiert sondern verrottet nur wenige Meter neben dem Zaun. Darum müssen wir auf diesem Abschnitt noch genauer hinschauen als üblich, denn leicht hat man einen Draht übersehen und stolpert darüber.

Manchmal müssen wir die Zaunseite wechseln. Überklettern ist meistens unmöglich. Also Rucksack über den Zaun und man selbst drunter her. Ein paar Mal haben wir Glück und der Draht ist nicht so straff, dann können wir ihn etwas herunterdrücken und wenn dann zufällig ein großer Stein an dieser Stelle ist, kommen wir auch so hinüber.

Der Zaun und somit unser Weg läuft auf dem Scheitelpunkt eines Bergrückens, der geradewegs Richtung Süden-Westen verläuft. Unterhalb können wir langgestreckte Seen sehen. Irgendwann verlässt der Weg den Bergrücken und folgt dem Zaun steil durch ein Steinfeld den Hang hinunter. 

Unten geht es parallel zum Berg weiter. Da die Sonne bekanntlich im Westen untergeht und wir uns nun auf der Ostseite des Berges befinden, ist uns klar, dass wir unser Zelt im Bergschatten aufbauen werden, denn mittlerweile ist es bereits 6 Uhr.

Während wir vorher immer wieder mal nahezu optimale Zeltplätze gesehen haben, müssen wir nun etwas länger suchen, bis wir mit einer Stelle zufrieden sind. Denn sie soll ja nah am Wasser, möglichst topfeben und nicht steinig oder sumpfig sein.

Bald werden wir fündig, bauen das Zelt auf und verschwinden auch direkt darin, denn die Sonne ist nun von uns aus gesehen hinter dem Berg verschwunden und ein kühler Wind kommt auf. Kaputt aber mit dem Wandertag vollkommen zufrieden, beenden wir diese Etappe

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