Gegen Fünf wache ich auf und gehe kurz vors Zelt. Im Osten ist bereits die rote Sonne zu sehen, die noch teilweise hinter einer dünnen Wolkenschicht verborgen ist. Über uns blauer Himmel und in Zielrichtung sehe ich Nebelbänke, die sich im Tal herumlungern. Aber als wir dann um Sieben aufstehen, hat sich das Bild drastisch verändert, denn der Nebel ist wohl aus den Tälern zu uns hinaufgezogen. Es ist zwar windstill, der See neben uns gleicht einem Spiegel, doch die Sicht reicht nicht sehr weit.

Wieder folgen wir dem Rentierzaun, der nach wenigen Kilometern einen breiten Fluss quert. Doch der Fluß ist wesentlich breiter als tief, denn wir können ihn problemlos furten. Im dichten Nebel geht es dann wieder den Grashang hinauf bis zur Hütte Stohpojohka, die sich erst 100 Meter vor uns aus dem Nebel materialisiert. Es ist eine private, offene Hütte, die jeder benutzen darf. Sie ist aber auch nur mäßig gemütlich und wir hätten sie auch nur im äußersten Notfall verwenden wollen.

Hier verlassen wir tatsächlich unseren stummen Wegbegleiter, den Zaun, und der Wanderweg ist nun mehr oder weniger auch der Weg, den die Quads nehmen. Das hat Vor- und auch Nachteile. Dadurch, dass die geländegängigen Fahrzeuge hier entlangfahren, ist der Wanderweg so fast zu einer Schotterpiste geworden und lässt sich problemlos und zügig gehen. So lange der Untergrund trocken ist. In schlammigen Abschnitten wühlen die Räder den Boden dermaßen auf, dass die Schlammpfützen immer tiefer werden. Und da die Quads hier nicht stecken bleiben wollen, nimmt jedes Quad eine andere Spur und die Pfützen werden zusätzlich immer breiter. Wir Wanderer müssen diese Gebiete dann meistens am äußersten Rand umrunden, um nicht knöcheltief im Morast zu versinken.

Ohne große Sicht geht es fast 15 Kilometer bis zur ersten Asphaltstraße seit dem Nordkaptunnel. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir seit dem Nordkap auch keinen einzigen Wanderer getroffen haben?
Wir machen direkt am Ende des Wanderwegs Pause, kürzen diese doch stark ab, bevor uns die Mücken komplett ausgesaugt haben. Nun geht es über die Straße Richtung Olderfjord, wo wir uns endlich mal wieder duschen können. Außerdem gibt es neben dem Campingplatz noch ein Restaurant, wo es garantiert Burger und Bier gibt. Diese Aussicht verleiht uns Flügel und so schießen wir mit flotten 5km/h auf unser Tagesziel zu.

Asphalt war, ist und wird nie unser sein. Mit schmerzenden Füßen erreichen wir die Rezeption, die auch gleichzeitig ein großer Souvenirshop ist. Regelmäßig halten hier die Linien- und Touristenbusse und deren Insassen überfluten diesen Shop und das Restaurant. Auf Englisch buche ich für uns eine Hütte mit Dusche und WC, doch die junge Frau wechselt sofort in perfektes Deutsch. Kaum haben wir die Hütte bezogen, kommt sie vorbei und entschuldigt sich, denn diese Hütte können wir nicht für zwei Nächte bekommen. Wir ziehen also in eine andere, einfachere Hütte um.
Wir haben zwar nun kein eigenes Bad, doch das vom Camping ist vollkommen OK.

Wer so eine Wanderung noch nicht gemacht hat, kann sich nicht vorstellen, wie gut eine Dusche nach langen, verschwitzten, anstrengenden Wandertagen tun kann. Man möchte den heißen Wasserstrahl nicht mehr verlassen und fühlt sich anschließend wie neu geboren.
Noch nicht ein Mal der Burger und das Bier kommen an dieses Gefühl heran, wenn auch sehr nahe. Da ist es auch egal, dass das Restaurant eher einer Raststätte gleicht.
Morgen ist übrigens ein Ruhetag, an dem wir unsere Wäsche waschen und unser Wunden pflegen wollen.




