Wattwanderung

Unsere Wünsche werden nicht erhört, denn wir werden mit dem Geräusch von Regen, der auf unser Zelt fällt, wach. Geschlafen haben wir aber sehr gut und fühlen uns fit für die nächste Etappe.

Diese beginnt direkt mit einer Furt und einem darauffolgenden steilen Anstieg, einen grasbewachsenen Hang hinauf. Einen Pfad gibt es nicht, nur mehrere, kaum erkennbare Spuren unserer Vorwanderer. Diese Spuren verlaufen sich aber immer wieder, doch zur Orientierung sind hier Steinmännchen oder auf Steine in rot gemalte Ts.

Nach 200 Höhenmetern flacht der Weg ab. Es geht nun leicht bergauf und bergab. Der Nieselregen hat inzwischen aufgehört und das Wandern macht nun, da wir nicht auf einer Straße unterwegs sind, sondern auf einem richtigen Wanderweg, deutlich mehr Spaß. 

Mehrmals müssen wir furten, doch wir finden immer wieder eine Stelle, bei der wir von Stein zu Stein gehend höchstens knöcheltief im Wasser stehen. So kommen wir in unseren Bergstiefeln trocken auf die andere Flussseite.

Nach 8 Kilometern erreichen wir einen einsamen Fjord, an dessen Ufer wenige Hütten stehen. Da wir kurze Zeit später in einigen 100 Metern Entfernung zwei Quads sehen, die den Rentierzaun entlangfahren, wohl um diesen zu kontrollieren und gegebenenfalls reparieren, nehmen wir an, dass in diesen Häusern Sami leben. 

Unser Weg führt uns über einen weiteren Höhenzug und wir erreichen einen weiteren Fjord. Steil fallen die Felsen auf der gegenüberliegenden Seite ins Wasser. Richtung Meer können wir eine große Lachsfarm erkennen, aber auch am anderen Ende des Fjordes ist eine solche Anlage. Und vermutlich von ihr stammt der ganze Plastikmüll, den wir, als uns unser Weg näher an den Strand führt, überall sehen können. Plastikflaschen, Seile, Schuhe, Schwimmkörper, Schläuche und Kisten. Sogar 100-200 Meter vom Ufer entfernt sind diese bunten Hinterlassenschaften zwischen den Grasbüscheln zu erkennen.

Es herrscht gerade Ebbe und so können wir einige Buchten durch eine Wanderung durch das Watt abkürzen. Am Ende des Fjords mündet ein Bach und ihm folgen wir nun noch für einige Kilometer über saftig grüne Wiesen und zwischen lose verstreuten Birken, bis wir auf eine kleine, mit Bodendeckern bewachsene, ebene Fläche stoßen, wo wir schnell unser Zelt aufbauen. Es ist zwar fast windstill, doch um draußen vor dem Zelt zu sitzen, noch zu ungemütlich, so dass wir uns ins Zelt verziehen, Kaffee trinken und nach einem weiteren RealTurMat-Abendessen den Tag beenden.

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