Gestern Abend haben wir auf der großen Terrasse des Restaurants, das zu unserem Hotel gehört, gegessen. Eine Glaswand hat den kühlen, abendlichen Wind meistens abgehalten, doch ohne unsere Daunenjacken wäre es schon ungemütlich gewesen. Das hätten wir uns auch nicht vorstellen können, dass wir unsere Daunenjacken hier so oft verwenden werden. Irgendwie stellt man sich Portugal wärmer vor, doch es ist ja erst März.
Erstaunt sind wir auch darüber, wie viele Wanderer wir hier jeden Tag antreffen. Ich vermag dazu keine Schätzungen abzugeben, wieviele jeden Tag im Schnitt in unsere Richtung laufen. Doch alleine in unserem Hotel sind bestimmt 12 Wanderer abgestiegen. Die Meisten hingegen werden ihre Etappe in Odeceixe beendet haben, einem Ort, der 3km vor unserem Hotel liegt.
Nach unserem, mal wieder sehr leckeren Essen und einer nicht minder leckeren, weißen Sangria gehen wir in die Gaststube, wo auf einem überdimensionalen Fernseher gerade ein Fußballspiel gezeigt wird. Bei Aperol Spritz und einem Super Bock kniffeln wir noch eine Runde, die ich mal wieder verliere.
Der Wetterbericht für heute sagt Regen erst ab ca. 12 Uhr voraus. Darum planen wir, nur die 11km bis Rogil zu gehen, um dann mit einem Bus die letzten 8km zurückzulegen.
Der Regen soll zwar erst in einigen Stunden einsetzen, doch schon jetzt ist alles grau in grau. Aber es angenehm warm und nicht windig, also kein Grund sich zu beklagen. Da wir vor den meisten Wanderern, die Richtung Lagos unterwegs sind, 3km Vorsprung haben, sehen wir heute nur wenige Fußspuren vor uns im Sand. Dafür aber viele Storche in den grauen Klippen über dem Meer.

Nach und nach holen wir alle ein, die vor uns gewandert sind. Bis wir schließlich, nur 2-3km vor Rogil auch den letzten hin und her schwankenden Rucksack ausmachen. Dieser gehört einer jungen Winzerin aus der Schweiz. Sie übt aber ihren Beruf immer nur so lange aus, bis sie wieder genug Geld zusammen hat, um auf Reisen zu gehen. So war sie gerade für zwei Monate in Marokko, nun ist sie in Portugal, danach geht es für einige Wochen zum Arbeiten zurück in die Heimat, bevor sie mit ihrer Mutter durch Island reist, nur um anschließend Italien und dann wieder Marokko zu besuchen. Man trifft schon interessante Leute auf solchen Wanderungen.
So plaudernd wandern wir Richtung Rogil. Leider müssen wir aber nur wenige Minuten vor Erreichen des Ortes unsere Regenjacke aus dem Rucksack holen, denn der angesagte Regen hat nun begonnen.
Wir verabschieden uns von der Weltenbummlerin und gehen zur nächsten Bushaltestelle. Da der Bus aber in über einer Stunde erst kommen soll, überqueren wir die gut befahrene Landstraße, die Rogil durchschneidet, und kehren in einem modernen Café ein, wo wir uns Sandwiches und Kaffee bestellen.
Wir sind nicht die einzigen Wanderer, die hier Schutz vor dem Regen gesucht haben, aber auch bei den Einheimischen scheint dieses Lokal sehr beliebt zu sein. Die vielen, eng beisammen stehenden, kleinen Tischchen sind besetzt, der Raum dazwischen mit nassen Rucksäcken fast versperrt. Der stets gut gelaunte Mann hinter dem Tresen erzählt jedem Tourist stolz, dass diese Bäckerei eine Auszeichnung für den besten Kuchen in ganz Portugal bekommen hat.
15 Minuten vor der Ankunft des Busses gehen wir zur Haltestelle zurück und stellen uns unter das Regendach. Dieses ist jedoch eine Fehlkonstruktion, denn die Wassermassen laufen an der Traufkante des Daches hinunter bis unter das Dach. Gut das es links und rechts von diesem kleinen Wasserfall Platz genug für die Wartenden gibt.
Im Bus treffen wir die Schweizerin wieder, die sich angesichts des Regens auch dazu entschieden hat, heute zu fudeln und die restliche Etappe nicht zu wandern.
Unser Hotel liegt inmitten einer geschlossenen Häuserreihe direkt an der Hauptstraße und ist umgeben von baufällig wirkenden Häusern. Das Hotel selbst sieht von außen halbwegs passabel aus, aber innendrin ist es modern, sauber und gemütlich. Nach nur kurzer Wartezeit im Foyer/Wohn-/Gemeinschaftsküchenbereich können wir auf unser Zimmer.




