Letzte Bratwurst vor Amerika

Gestern Abend haben wir Bernhard und Katrin wieder getroffen, die zufällig im gleichen Restaurant abgestiegen sind, wie wir. Der Tisch neben den beiden war frei, und so haben wir einen weiteren, sehr netten Abend mit ihnen bei interessanten Gesprächen, Seafood und Vinho Verde verbracht.

Wie immer in diesem Urlaub wandern wir gegen 8:45Uhr los, denn Frühstück gibt es meistens ab 8. Zunächst durch den Ort, dann fast 7km über eine flache, eintönige Landschaft, die nur ab und zu durch verlassene Gehöfte und wenige Baumgruppen aufgelockert wird.

Wir erreichen nach ca. einer Stunde den höchsten Punkt des Tages und können rechts bereits die Südwestspitze Europas ausmachen und links Sagres, aus der aber nicht das gleichnamige Bier kommt.

Nach 7km sehen wir zum ersten Mal wieder das Meer mit den steilen Klippen, die hier wirklich sehr beeindruckend hoch sind. Immer wieder können wir Angler hoch oben über dem Meer beobachten, die von schwindelerregenden Stellen aus Fische fange. Die armen Fische, die bei ihnen beißen, werden 100m über dem Meer erst von ihrem Leid befreit.

Na, wie viele Angler findet ihr hier?

Wir laufen und laufen, doch der rot-weiße Leuchtturm, der am Cabo de São Vicente steht und die besagte, europäische Südwestspitze markiert, scheint kaum näher zu kommen. Das liegt vielleicht auch am mühseligen Vorankommen, auf dem felsigen Untergrund, wo wir bei jedem Schritt höllisch aufpassen müssen, um nicht zu stolpern.

Da diese Spitze ein beliebtes Ausflugsziel ist, sehen wir hier viele Spaziergänger und noch mehr Pfade, die von unserem Weg abzweigen. Es ist schwer, zwischen ihnen den richtigen zu finden und schnell wandern wir neben der Spur, die auf meinem GPS angezeigt wird. Da wir ohnehin bereits nahe der Straße sind, auf der Autos, Wohnmobile und Rennradfahrer Richtung Leuchtturm fahren, gehen wir weiter darauf zu und schwenken dann auch rechts auf die Fahrbahn.

Hier ist nur ein Angler, aber sehr exponiert.

Bald erreichen wir die Imbisswagen und Souvenirstände, die hier am Wegesrand stehen. Bevor wir uns dort in die Schlangen stellen, gehen wir vor bis zum Leuchtturm und machen ein obligatorisches Selfie.

Dann geht es zurück zum Imbisswagen von findigen Deutschen, die mit dem Spruch „Die letzte Bratwurst vor Amerika“ nahezu alle deutschen Touristen anlocken. Während die Nachbarstände überhaupt keine Kunden haben, ist eine recht lange Schlange vor diesem Wagen, der Thüringer und Franken Bratwürste anbietet. Die Nachfrage ist aber so groß, dass wir etwas warten müssen. Wer will kriegt sogar ein Zertifikat, dass er hier an dieser Stelle eine Bratwurst gegessen hat.

Mit unseren Würstchen und zwei kleinen Bieren (für zusammen 15 Euro!) gehen wir rüber zum Fußweg und setzen uns dort auf die hölzernen Abtrennungen. Britta kommt ebenfalls mit ihrem Eis herüber und wir quatschen bestimmt eine Stunde.

Die morgige Etappe nach Salema will sie nicht wandern, sondern mit dem Bus zurücklegen, da der Wanderführer von rutschigen, steilen Felspassagen berichtet. Sie freut sich schon auf zu Hause, ihrem Mann, ihren Kindern. 

Danach geht es über den breiten Fußgänger- und Radweg, der rötlich abgesetzt neben der Straße verläuft. Fast schnurgerade und kilometerlang zieht er sich bis Sagres, doch unser Wanderweg zweigt glücklicher Weise davon ab und wir können noch einige schöne Ausblicke auf die Felsküste genießen.

Da die Sonne unbarmherzig herunterknallt, werden die letzten Kilometer bis zu unserem Hotel recht anstrengend. Zum Schluß geht es durch den vom Tourismus geprägten Ort. Überall sehen wir Hotels, Surfschulen, Restaurants und Bars. Im Sommer muss hier die Hölle los sein. Momentan geht es noch.

Unser Hotel gefällt uns sowohl vom Viertel, von der Lage und überhaupt, nur der Balkon ist so winzig, dass nur ein Stuhl darauf Platz hat. Gegen 7 ziehen wir los, um ein schönes Restaurant zu finden und bleiben quasi direkt neben unserem Hotel im erstbesten hängen. Es ist recht voll und wir bekommen einen Tisch im Durchgangsbereich. Letzten Abend haben wir wesentlich leckerer gegessen, aber das zu toppen wäre auch schwer gewesen. Quasi beim Hinausgehen verquatsche ich mich noch mit unseren deutschen Tischnachbarn, die uns von Nordportugal vorschwärmen, wo es ihrer Meinung nach wesentlich schöner und authentischer ist, als hier im Süden.

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