Auf einem Langstreckenweg gibt es ständig ein Wiedersehen. Einige Leute trifft man jeden Tag, manche Tage lang nicht. So geht es schon die ganze Zeit. Einigen haben wir inzwischen schon Spitznamen gegeben. Beispielsweise dem Tütenmann, einem Wanderer der jeden Tag eine Plastiktüte draußen an seinem Rucksack befestigt hat, so dass sie ihm bei jedem Schritt gegen die Beine pendelt. So gibt es immer wieder nette Situationen mit den Wiedergetroffenen, kleine Gespräche, oder nur ein Lächeln im Vorübergehen. Immer wieder sind wir gespannt, wen wir abends im Restaurant, morgens beim Frühstück oder tagsüber auf dem Weg treffen werden.

Naturgemäß kennen wir aber die Entgegenkommenden nicht. Gegrüßt wird meistens mit einem knappen Ola, Hallo oder Hey.

Um so erstaunter waren wir, als die Antwort auf unser Hey ein „Ja Servus Andreas“ war.

Norwegen, 28.6.2025, Rückblick:
Nach einem kalten und sehr nassen Wandertag haben wir in der Holmavatnhytta Isabella und Max kennengelernt. Die beiden haben als Generalprobe zu ihrem PCT, den sie 2026 in Angriff nehmen wollen, eine einwöchige Wanderung in Norwegen unternommen. In der warmen und gemütlichen Hütte haben wir stundenlang über Wandern, Ausrüstung und andere Themen gequatscht. Uns haben sie vom Fischerweg in Portugal dermaßen vorgeschwärmt, dass wir uns schon damals vorgenommen hatten, diesen Fernwanderweg mal auszuprobieren. Am nächsten Tag sind wir im strömenden Regen fast 20km und pausenlos bis nach Haukeliseter gewandert, wo wir die beiden an der Bushaltstelle verabschiedet haben.

Und heute, fast 3000km Luftlinie von Haukeliseter entfernt, treffen wir die beiden hier wieder. Wahnsinn! Was für eine schöne, glückliche Fügung. Wir umarmen uns herzlich und können es einfach nicht fassen, uns wiederzusehen. Im Mai ist ihr Starttermin für den PCT. Bis dahin wollen sie als Warmup den Fischerweg machen, danach ein paar Etappen des Jakobwegs, um dann den Highlandtrail in Schottland abzuwandern, bevor es dann endlich in die USA geht. 8 Monate Auszeit haben sie für ihr Abendteuer genommen. Viel Spaß und Erfolg für euren PCT!

Inzwischen ist die wildromantische Atlantikküste für uns fast Normalität geworden. Tosende Wellen, blaues Meer, hohe Klippen. Aber irgendwie können wir uns auch nicht daran sattsehen.

Das Wetter ist heute morgen wesentlich besser als vorhergesagt, darum ziehen wir schon nach wenigen Minuten wieder unsere kurze Hosen an.

Die Flensburgerin sehen wir heute auch wieder, doch sie ist in ein Gespräch mit zwei Engländern vertieft, so dass sie uns nicht bemerkt.

Nach 4 Stunden Wandern sehen wir bereits unser Tagesziel: Praia Odeceixe. Zwischen uns und dem Hotel liegen nur 100m, doch auch ein 20m breiter, tiefer Fluß. Die nächste Brücke ist in Odeceixe, 4km entfernt, so dass wir also noch ca. 7km Wanderung vor uns haben. Irgendwie frustrierend, zumal die restliche Strecke nicht so aussichtsreich ist, wie der bisherige Tag.

Hier am Fluß ziehen wir unsere Regenjacken wieder aus, denn zwischenzeitlich war es sehr windig und es hat angefangen, zu regnen, und machen eine kurze Pause.

Dann gehen wir zügig Odeceixe entgegen, wo wir in einem kleinen Café einkehren. Nach dieser Stärkung ist die Reststrecke problemlos zurückgelegt.





