Heute verlassen wir Svolvær und fahren bis ans Ende der E10. Das Wetter ist leider noch nicht so, wie wir es erhofft hatten. Statt strahlend blauem Himmel haben wir eine fast geschlossene Wolkendecke, es weht ein leichter Wind und dadurch ist es recht frisch.

Unser erstes Ziel ist die Insel Vestvågøya, wo wir den Mannen besteigen wollen. Doch als wir uns dem Einstiegspunkt Haukland-Beach nähern, sind alle Bergspitzen in Wolken eingehüllt und wir beschließen, zunächst den kleinen Fischerort Ballstrand zu besuchen. Das ist zwar ein Umweg, doch vielleicht, so ist unsere Hoffnung, kommt das gute Wetter in der Zwischenzeit und wir können bei Sonnenschein wandern.

Ballstrand erweist sich allerdings zwar als nett, aber mehr auch nicht. Nach einer kleinen Runde am Hafen fahren wir wieder zurück zur E10 und dann weiter nach Haukland-Beach.
Und wir haben Glück, die Sonne hat die Wolken vertrieben und der Parkplatz am Strand ist nur halbvoll. Am Parkplatzautomaten gebe ich dummerweise das falsche Kennzeichen ein und muss gleich zwei Mal bezahlen. Von hier können wir anhand der bunten Kleidung der Wanderer fast den kompletten Weg bis zum Gipfel erkennen. Es ist halt ein beliebter und gehypter Weg.

Vom Parklatz führt eine Asphaltstraße ein paar hundert Meter zum eigentlichen Einstieg in den Wanderweg, der links abzweigt und sofort recht steil nach oben führt und das, ohne zwischendurch nennenswert abzuflachen.
Wir gehen unseren gewohnt langsamen aber gleichmäßigen Schritt und überholen immer wieder andere Wanderer. Viele von ihnen scheinen nie zu wandern und machen das wohl nur für ihr nächstes Instagram-Foto. Manche kommen fast gestylt den Berg hinauf mit schneeweißen Sneakern und modischen Jogging-Hosen. Ich frage mich, wie sie es schaffen, den Weg entlangzulaufen, ohne Schuhe und Hose mit Matsch zu bekleckern. Ich brauche nur wenige Schritte auf einem Wanderweg, bis meine Klamotten aussehen, wie 2 Wochen getragen.
Der Blick zum blendend weißen Strand wird mit den Höhenmetern immer besser, das Meer davor sieht von hier grünlich aus. Auch die umliegende Bergwelt zeigt sich immer mehr.
Die letzen 100 Höhenmeter folgt der Weg einem Grat, der zu beiden Seiten sehr steil abfällt. Doch er ist selbst an der schmalsten Stelle 3-4 Meter breit, so dass ich zwar sehr konzentriert aber doch noch einigermaßen entspannt dem Ziel entgegengehen kann.
Oben ist der Strand nicht mehr zu sehen, wenn man nicht nahe an die Kante herantritt. Dafür ist der Weitblick grandios.



Leider waren meine Linsen vom Handy vom Schweiß etwas eingetrübt, so dass viele Fotos nichts geworden sind. Nach wenigen Minuten auf dem windigen Gipfel gehen wir schon wieder hinunter.
Bei dem engen Weg müssen wir mehrmals geduldig warten, bis die Hinaufkommenden an uns vorbei sind, oder die Herabsteigenden endlich etwas weiter vorwärtskommen. Viele sind hier echt überfordert. Doch nach dem Grat wird der Weg etwas einfacher und verzweigt sich auch öfters, so dass wir recht zügig wieder zum Parkplatz gelangen.
Bevor wir weiterfahren, machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Strand.

Auf der Weiterfahrt erleben wir doch tatsächlich unseren ersten Stau in Norwegen. In einem Tunnel finden Bauarbeiten statt und der Verkehr kann hier nur einspurig fließen. Deshalb gibt es Pilot-Autos, die den ganzen Tag hin und her pendeln. Die wartenden Autos dürfen erst dann losfahren, wenn das Pilot-Auto auf ihrer Seite angekommen ist. Dann nimmt es die komplette Kolonne mit bis zum Baustellenende und der Vorgang wiederholt sich dann dort.
Auf der Fahrt zu unserer Fischerhütte (Rorbue) gibt es immer wieder Stellen, wo ich anhalten muss, um ein Foto zu machen.




Kurz vor unserem Ziel erreichen wir Moskenes, wo im Hafen ein Hurtigrutendamfer liegt und viele Leute auf und neben der Straße spazieren/wandern, weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt. Die Straße ist eng, alle fahren sehr langsam, vorsichtig und vorausschauend. Von einer dieser hohen Bogenbrücken hat man einen tollen Ausblick auf die bunten Stelzenhäuser, den Hafen und die Berge.




Besonders auf den letzten Kilometern ist die Straße aufwändig in den Fels hineingearbeitet worden und wir passieren etliche Tunnel und Galerien. Wir fragen uns, was das alles gekostet haben muss und wieviele Straßentunnel es wohl in Norwegen gibt. Google meint, dass es etwas über 1000 Tunnel gibt. Hinzu kommen aber noch etliche Bahntunnel.
Kurz vor drei kommen wir an unserem roten Stelzenhaus an. Von außen sieht es nicht ganz so dolle aus, doch innen ist es tiptop.
Wir setzen uns auf unsere sonnenbeschienene Terrasse, genießen die Aussicht, ein Bier und einen Kanelboller und besprechen, wie wir die letzten paar Tage unseres Urlaubs verbringen wollen.

Zum Sonnenuntergang machen wir noch einen Spaziergang zum Hafen, doch von diesem täglichen Naturschauspiel bekommen wir nichts mit, da die Sonne hinter einer Bergkette verschwindet. Dafür hoffen wir aber auf Nordlichter. Ich stelle mir den Wecker auf kurz nach Mitternacht, doch mehr als ein grünliches Leuchten kann ich nicht erkennen und verschwinde dann recht schnell wieder in meinem warmen Bett.





