Es geht mal wieder nach Norwegen – wie sollte es auch anders sein. Unsere Freunde machen sich schon lustig darüber. Aber was sollen wir machen?Wir finden nun mal, dass es das beste Wanderland überhaupt ist. Einsame, tolle Landschaften, das Wasser in Bächen und Seen ist trinkbar, man kann überall Zelten, gemütliche Berghütten, nette Menschen, relativ gut und schnell zu erreichen.
Ich verfolge gerade den Blog von Isabella und Max, die den PCT abwandern. Dort hatten sie an vielen Tagen 40 Grad im Schatten, oft auch mehr – und meistens keinen Schatten. Und Trinkwasser ist auf vielen Etappen auch ein Problem gewesen. Ohne die Trailangels wären die PCT-Wanderer aufgeschmissen, denn nur durch ihr Engagement kommen sie an Trinkwasser, da sie die Watercaches jeden Tag auffüllen. Regen gab es dort bisher nur an wenigen Tagen.
Ganz anders in Norwegen. Während ganz Deutschland seit Wochen unter einer Hitzeperiode leidet, regnet es dort fast jeden Tag und die Temperaturen sind weit unter 20 Grad. Auch die Prognose für unsere ersten Etappen sieht nicht gut aus. Das hat aber auch seine Vorteile, denn Mücken werden uns wohl nicht plagen und auch nicht hohe Temperaturen.
Wandern wollen wir übrigens vom Nordkap aus Richtung Süden bis zum Dreiländereck bei Kilpisjärvi. Das sind ungefähr 20 Etappen, wir haben aber insgesamt 4 Wochen Urlaub, so daß wir uns Zeit lassen können. Doch zunächst müssen wir in den hohen Norden kommen, und das dauert heute 19 Stunden.
Um 2 Uhr 30 stehen wir auf, werden eine Stunde später von Petras Schwester zum Düsseldorfer Flughafen gebracht. Dort wird es zunächst etwas stressig, denn an keinem Check-In-Schalter steht SAS, dafür an der Selbst-Gepäckaufgabe. Der Automat funktioniert aber nur dann, wenn man eine Boardkarte hat. Aber es gibt keinen Boardkarten-Automat für SAS. Wie kommen wir nun an unsere Boardkarten, fragen wir uns, denn jemanden anders fragen können wir nicht. Hier sind zwar viele Menschen, aber nur Touristen. Doch nach einigen hektischen Minuten leuchtet der SAS-Schriftzug am Schalter 120 auf, wir bekommen unsere Boardkarten und geben unsere Rucksäcke am Sperrgutschalter auf.
Danach verläuft die Reise, wie erwartet. Lange und langweilig. Nach zwei Stunden Warten fliegen wir nach Koppenhagen. Dort warten wir 6 Stunden, fliegen weiter nach Oslo, nach weiteren 2 Stunden Warten und Flug sind wir dann gegen 20Uhr endlich in Alta.
Da der Flieger Verspätung hat und die Flughafenbusse Richtung Zentrum an den geplanten Ankunftszeiten abfahren, warten wir 15 Minuten vergeblich. Das Wetter ist mild und trocken, unser Appartment nur 2,5 Kilometer entfernt, und wir von dem ganzen Herumdösen und Abhängen ganz steif und bewegungshungrig. Wir beschliessen, die Strecke zu Fuß zurückzulegen.
Zunächst geht es über den sehr übersichtlichen Parkplatz, dann direkt dahinter in den Wald. Alles ist noch naß vom Regen. Der Waldweg ist breit und gut zu gehen, dann folgt ein kurzes Stück über einen kaum noch sichtbaren Pfad und anschließend entlang der E6 auf dem breiten Fußweg Richtung Zentrum.
Nach einer halben Stunde stehen wir vor einem Einfamilienhaus, wo im Erdgeschoss ein Appartement vermietet wird. Der Schlüssel hängt in einem kleinen Schlüsselkasten, den wir mit der zugemailten Zahlenkombination öffnen können. Wir essen die Reste unserer traditionellen Spiegeleireisebrote, trinken dazu etwas Rotwein, den wir in unserer Thermosflasche mitgenommen haben, dann geht es in das extrem weiche Bett. Es ist halb elf und immer noch Taghell. Nach einigem Hinundher kann ich dann endlich einschlafen.
Als wir am Sperrgutschalter vom Düsseldorfer Flughafen standen, mussten wir ca. 10 Minuten warten, da ein Passagier sein Gewehr aufgeben wollte. Es war vorschriftsmäßig in einem verschlossenen Hartschalenkoffer, und die Munition im Gepäck. Beides musste er den beiden Polizisten, die extra für diese Überprüfung angefordert wurden, zeigen. Auch seine Personalien wurden per Funk noch mal kontrolliert. Bei Ankunft ist es normalerweise auch so, dass die Waffen nur persönlich vom Personal an die Passagiere übergeben werden dürfen.
Nicht so in Norwegen. Als wir in Alta am Gepäckband auf unsere Rucksäcke warteten, kamen ca. 10 Gewehrkoffer auf das Band und fast genauso viele Munitionskisten. Bei keinem unserer Flüge habe ich das jemals gesehen. In Norwegen ist man diesbezüglich anscheinend sehr entspannt. Und es scheint nun auch die Jagdsaison für Elche zu beginnen, denn für Rentiere sind diese Jäger bestimmt nicht angereist. Rentiere werden zwar in Norwegen auch gejagt, aber nicht hier im Norden.
Sie sind hier Weidevieh, wie bei uns Kühe. Die Rentiere leben nicht wild und gehören einer Sami-Familie. Nur Samis dürfen übrigens in Skandinavien Rentiere halten. Freilebende Rentiere gibt es in Norwegen nur in wenigen Regionen, beispielsweise in der Hardanger Vidda. Ansonsten sind die riesigen Weideflächen mit 2 Meter hohen Zäunen umgeben, von denen wir in den nächsten Wochen noch viele sehen und kilometerlang folgen werden.





Schön, dass ihr trotz
einiger Schwierigkeiten, gut angekommen seid.
Wir wünschen euch eine wirklich gute Zeit.
Viele liebe Grüße
Vielen lieben Dank
Klingt nach Abenteuer von Anfang an.
Eine ganz tolle Reise wünsche ich euch.
Viele Grüße, Hartmut