Acacia longfolia

Zum Frühstück müssen wir heute Morgen die Fußgängerzone hinunter Richtung Fluß. Das Café, in dem wir gestern gegessen hatten, hat bereits ab 8 Uhr geöffnet. Drinnen gibt es zwei schmale Tischchen mit noch schmaleren Bänken und winzigen Stühlen. Die Bedienung erklärt uns auf portugiesisch und gestenreich die Karte, wir bestellen Fruchtsalat, Sandwich, Rührei, frisch gepressten Orangensaft und natürlich Kaffee.

Dann gehts zurück zum Hotel. Da die Schuhe noch voller Sand vom Vortag sind, gehen wir auf Socken hinunter zur Rezeption, denn davor steht draußen eine Bank. Wir reinigen die Schuhe und Socken und ziehen zur dritten Etappe los. Schon jetzt gegen 9 Uhr brennt die Sonne vom blauen Himmel, bald bemerken wir, dass die langen Hose doch die falsch Wahl sind.

Wir gehen zum Fähranleger, wo Kapitän und Schiff bereits auf die Fahrgäste warten. Zu fünft werden wir auf die andere Flussseite übergesetzt, so ersparen wir uns 4km größtenteils über Asphalt. Unsere bisherigen Beobachtungen werden bei dieser kurzen Schifffahrt bestätigt. Von den 5 Fahrgästen sind alle Deutsche und 4 davon Frauen.

Nach wenigen Minuten werden wir am anderen Ufer abgesetzt und wir stapfen den Strand entlang Richtung Atlantikküste. Der Sand hier ist in langen Abschnitten recht fest, dennoch merken wir die Anstrengungen der gestrigen Sandetappe immer noch in unseren Beinen. Nach einem knappen Kilometer gehts es vom Strand links hinauf zu einem noch geschlossenen Lokal, an dessen Parkplatz eine Bank steht. Dort wechseln wir von Lang- auf Kurzhose, bevor es einige Höhenmeter weiter hinaufgeht.

Die Straße ist zu beiden Seiten flankiert von hohen Büschen, die auffallende, gelbe Blüten haben. Ich bin kein Botaniker, darum verlasse ich mich hier nun auf die Ergebnisse einer ChatGPT-Analyse. Bei den Sträuchern handelt es sich um Acacia longfolia, einer ursprünglich australischen Pflanze, die in Portugal angepflanzt wurde, um die Dünen zu stabilisieren. Wie so oft haben die endemischen Arten keine Chance gegen die eingeführten. Die fremden Pflanzen setzen sich durch und werden zur Plage. Neben den gelben Blüten haben sie olivengroße, grüne Früchte. Diese Büsche, die bis zu ca. 4m hoch werden, beherrschen heute unsere Etappe, denn der Weg führt oft an ihnen vorbei, oder durch sie hindurch, was gerade heute praktisch ist, denn sie spenden wohltuenden Schatten.

Das Meer hingegen sehen wir heute oft nur von Weitem. Selten haben wir so spektakuläre Aussichten, wie an den vorangegangen beiden Tagen. Da die Etappe nur 11km lang ist, machen wir auch nur eine Pause. Von unserem Platz haben wir einen schönen Blick die Steilküste entlang, unten am Sandstrand springen zwei Wanderer in das verhältnismäßig ruhige Meer, doch die Wellen schmeißen sie immer wieder um und nur nach wenigen Minuten geben sie auf.

Eine nicht abreißende Folge von Wanderern passiert uns während unserer Pause, die meisten Gesichter kommen uns inzwischen bekannt vor. Unter ihnen ist auch die Flensburgerin, mit der wir einen kurzen Schnack halten. Sie ist eine Stunde vor uns los und hat nicht die Fähre genommen.

Die letzten 4km sind dann schnell abgewandert, und wir erreichen Almograve gegen halb zwei. Der recht beschauliche Ort besteht aus weiß getünchten Häusern, die mit einem Tondach eingedeckt sind, und deren Hausecken, Fenster und Türen mit einem farblichen Saum abgesetzt sind. Die Hausnummern stehen fast immer auf Kacheln, so wie die Straßennamen.

Keine 100m vor unserem Hotel kommen wir an einem Restaurant vorbei. Wir können nach dieser heißen Etappe einfach nicht widerstehen und kehren auf ein Bier ein. 

Da die Zimmer noch gemacht werden müssen, können wir nicht direkt einchecken. Deshalb legen wir uns in die Liegestühle, die auf Kunstrasenflächen um unser Hotel herum im Schatten stehen. Nach wenigen Seiten in unseren Büchern dösen wir ein.

Pünktlich um 3Uhr können wir auf unser Zimmer. Wir duschen und ziehen auch direkt wieder los, um ein paar Sachen einzukaufen, die wir für die morgige Etappe benötigen. Die Läden hier sind meist klein, eng, in den Gängen stehen überall noch Kartons mit weiteren Waren. Die Kühltheke in einem Laden heute können sie hingegen mit ihrem Käseangebot kaum füllen, so dass auf einem Meter 5 Käsestückchen drappiert sind, obwohl ansonsten jeder Quadratzentimeter ausgenutzt wird.

2 Kommentare

  1. Hallo ihr Beiden,
    Ich wünsche Euch viel Spaß und schöne Erlebnisse auf eurem Weg.
    Es ist spektakulär und atemberaubend am Meer zu wandern.( Wir haben es sehr genossen )
    LG
    Andrea

  2. Liebe Andrea,
    die Aussichten sind wirklich spektakulär, doch der Weg nicht minder anstrengend.
    LG
    Petra & Andreas

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