Drüber, drunter und durch

Es ist schon erstaunlich, wie viele unterschiedliche Verkehrsmittel man braucht, um an sein Urlaubsziel zu kommen. Gestern sind wir von Anke und Alf mit dem Auto zum Sterkrader Bahnhof gebracht worden, von wo aus wir mit dem Zug zum Bahnhof Düsseldorf Flughafen gefahren sind. Die Hochbahn hat uns dann zum Terminal A gebracht. Dort sind wir in das Flugzeug gestiegen, das uns im Landeanflug dicht über die Dächer Lissabons zum dortigen Flughafen geflogen hat. Mit der Metro ging es dann unter Lissabon her bis zum Busbahnhof Sete Rios. Und dann mit einem sehr sportlich gefahrenen, bequemen Reisebus durch Lissabon und das nächtliche Portugal bis nach Sines.

Am Busbahnhof in Lissabon

Dort kamen wir gestern gegen 21 Uhr an. Alles scheint verlassen, wir sehen kaum einen Menschen und machen uns Sorgen, dass die Rezeption unseres Hotel bereits geschlossen hat. Doch unsere Befürchtungen sind unberechtigt.

Nach einem kurzen Zwischenstop im Hotelzimmer ziehen wir noch mal los, um eine Bar zu finden, wo wir ein Bier trinken und auf den Urlaub anstoßen können. Ein kleines, pommesbudenähnliches Restaurant, nur wenige Meter neben unserem Hotel, hatte tatsächlich noch geöffnet. Englisch verstand man hier mehr schlecht als recht, aber wir konnten immerhin zwei Sagres und eine Portion Batatas frita (Pommes Frites) bestellen. Wir genossen das Gefühl gut angekommen zu sein, das fremde Gebrabbel um uns herum und Bier, was nach der lagen Anreise gut zischte. Danach sind wir wieder auf unser Zimmer und sind quasi sofort eingeschlafen.

Sines wohl bekanntester Sohn ist Vasco da Gama. Von ihm wissen wir ja durch die Dokumentation der Stenkelfeldreihe, dass jene rätselhafte magnetische Kraft seine fein ziselierte Kompassnadel narrte und seine berühmte Halbmastfregatte Santa Valpollicella vor der Küste Akkapulcos ins Treibeis lockte. Aber trotz dieser Berühmtheit scheint es Sines nicht sehr gut zu gehen. Die meisten Gebäude sehen so aus, als ob sie schon seit etlichen Jahren nicht mehr bewohnt wurden. An den Stellen, wo weder Fußgänger noch Autos entlangkommen, wuchert oft das Unkraut. Und selbst ein riesiger, moderner Museumskomplex scheint inzwischen unbenutzt.

Heute Morgen werden wir im Frühstücksbereich des Hotels von Klaviermusik empfangen. Ein bärtiger, in die Musik versunkener Pianist mit Schiebermütze sitzt an einem Flügel und spielt jazzige Versionen von bekannten Liedern. Nach einigen Takten erkennen wir erstaunt Shallow (von Lady Gaga und Bradley Cooper), und kurz darauf auch ein Lied von Elton John. Das Buffet ist reichhaltig und gut. Anschließend packen wir unsere Rucksäcke und checken aus. An der Rezeption bestelle ich noch ein Taxi, das uns dann vorbei an den häßlichen Industrieanlagen und dem Containerhafen zum Startpunkt unserer Wanderung bringt.

Auf dem Parkplatz stehen etliche Wohnmobile. Einige sind aus Deutschland, aber alle scheinen sie Surfern zu gehören, die mit ihren Brettern vor der Küste in der Brandung dümpeln und auf die perfekte Welle warten. Es windet sehr und die Wellen sind teilweise 2 Meter hoch. 

Unser Weg führt uns zunächst über die Asphaltstraße, die immer der Küstenlinie folgt. Nach ca. 2km ist eine Brücke weggespült worden, ein Unglück, was die Straße ab hier zur Sackgasse gemacht hat.

Unser Weg biegt hier zum ersten Mal zum Stand hinunter. Wir müssen durch den seichten Bach auf die andere Uferseite und dann den felsigen und sandigen Hügel wieder hinauf. Hier sehen wir auch zum ersten Mal zwei weitere Wanderer, deren große Rucksäcke darauf hindeuten, dass sie mit Zelt unterwegs sind.

Meistens ist der Weg fest und gut zu laufen, doch einige längere Passagen sind sehr sandig und das Vorwärtskommen ist recht anstrengend. Aber die Aussicht ist schön. Der endlose Atlantik liegt rechts von uns, die Küste ist größtenteils steinig und steil und die Wellen laufen imposant und regelmäßig zum Ufer, wo sie sich mit lautem Getöse brechen.

Nach 4km, und somit fast genau in der Mitte unserer heutigen recht kurzen Etappe, kommen wir am Magic Ocean an, einem Restaurant, wo wir eigentlich einkehren wollten. Doch die besten Zeiten dieses Betriebs sind schon lange vorbei. Die Sonnenschirme sind zerrissen, eine Glastür beschädigt und nur notdürftig repariert und das Gelände drumherum sieht sehr vernachlässigt und heruntergekommen aus. Wir machen dennoch auf einer der Bänke eine kurze Pause. Während wir hier sitzen, holen uns die beiden Wanderer von vorhin wieder ein und gehen, lächelnd nickend weiter.

Der morgendliche Sonnenschein ist nun endgültig vorbei und der Wind weht oft unangenehm kühl. So brechen wir schon bald wieder auf und holen die beiden Wanderer nach wenigen Minuten ein. Der Rother-Wanderführer entlarvt sie als Deutsche, so dass ich sie direkt in unserer Sprache begrüßen kann. Sie kommen aus Berlin, sind gestern auch erst recht spät in Sines angekommen und wollen heute ebenfalls nur die 10km bis nach Porto Covo. Wir quatschen ein paar Minuten, dann gehen wir auch schon weiter.

Die Küste wird immer steiler und höher, und die Wolken immer dichter. Während wir im T-Shirt wandern kommen uns die meisten in Daunenjacken entgegen. Viele haben Wollmützen oder Kaputzen auf, und einer sogar Handschuhe an.

Nach nur 2,5 Stunden Gehzeit erreichen wir den vom Tourismus geprägten Ort Porto Covo. Im Gegensatz zu Sines ist hier alles sauber und ordentlich, aber die Fensterläden der meisten Häuser sind noch zugeklappt, sie werden wohl nur zur Hauptsaison benutzt.

Unser Hotel ist modern, das Zimmer schön und hat sogar eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, zwischen uns nur die Straße. Wir holen uns an der Bar ein Bier und einen Weißwein und genießen das Angekommensein.

Nach einem kleinen Nickerchen und einer Dusche ziehen wir los, und erkunden den Ort. Ein vollbesetztes Lokal zieht uns an und wir bekommen den letzten freien Tisch. Es ist recht laut, aber auf die angenehme Art und Weise. Der Kellner empfiehlt uns ein anderes Gericht, als wir eigentlich bestellen wollen. Um uns zu überzeugen holt er den frisch gefangenen Fisch aus der Küche und zeigt ihn uns stolz. Wir nehmen ihn und bereuen es nicht. Er schmeckt vorzüglich. Während wir hier sitzen sehen wir immer wieder weitere Wanderer, die mit ihren Rucksäcken durch die Gassen gehen.

Anschließend schlendern wir noch durch den recht gut besuchten Ort,  doch es hat angefangen zu nieseln, so dass wir wieder zu unserem Hotel zurückgehen. 

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